»Wuppertaler V 36 – Leistungsträger im Kölner Nahverkehr

Aug 26th, 2011 | By | Category: Fahr- und Zugbildungspläne, Laufpläne, Streckenbenutzung, V 36

Die Bun­des­bahn wollte den Nah­ver­kehr von Köln nach Ber­gisch Glad­bach nach dem Krieg deut­lich ver­bes­sern. Drei Fakten standen diesem Vor­haben bis 1953 noch im Weg:

  1. Der in der Stadt­mitte von Ber­gisch Glad­bach lie­gende Kopf­bahnhof wurde seit Jahr­zehnten nur noch als Güter­bahnhof genutzt. Im Dezember 1953 wurde der Stadt­bahnhof unter dem Namen „Ber­gisch Glad­bach Stadt­mitte“ wieder aktiviert
  2. Geeig­nete Fahr­zeuge: Wen­de­zu­ge­be­trieb musste es sein – man zog des­halb einige V 36.2 mit ihren Wen­de­zug­gar­ni­turen aus dem Wup­per­taler Nah­ver­kehr ab und setzte sie über­wie­gend zwi­schen Köln-​​Mülheim und Ber­gisch Glad­bach ein.
  3. Die Hohen­zol­lern­brücke in Köln war nur zwei­gleisig befahrbar – daher chro­nisch über­lastet. Die Vier­glei­sig­keit der Hohen­zol­lern­brücke zwi­schen Köln Hbf und Köln-​​Deutz wird erst 1959 erreicht.

Im Köln-​​Bonner Ver­kehrs­ma­gazin Heft 16 (4/​2010) ist diese Geschichte umfas­send auf­ge­ar­beitet – allen Inter­es­sierten sei diese Aus­gabe wärms­tens empfohlen!

Der anfäng­liche Erfolg dieses Pen­del­ver­kehrs führte schnell zu über­füllten Zügen – das Ver­kehrs­an­gebot wurde schon kurz nach Ein­füh­rung wieder verändert:

  • weniger nach Köln Hbf durch­ge­führte Züge (dadurch weniger inner­städ­ti­scher Köln-​​Verkehr, neben dem Effekt der Ent­las­tung der Rheinbrücke)
  • wei­terer Umbau von Plattform-​​Wagen für den Ein­satz in Wen­de­zügen (Eigen­hei­zung, dop­pelte Brems­lei­tung, Steu­er­lei­tung etc.)
  • mehr Fahrten in dünner besie­deltem Gebiet nach Hoff­nungs­thal und Lindlar

Mit dem Ver­schieben des Ange­bots aus dem Zen­trum, sank aber sofort die Ren­ta­bi­lität und die Kon­kur­renz des Indi­vi­du­al­ver­kehrs war in den Wirt­schafts­wun­der­zeiten „draußen“ schneller und stärker spürbar.


Foto Samm­lung Peter Jauch: V 36-​​Wendezug mit Wen­de­zug­be­fehls­wagen VB 147 002 am 28. Mai 1958 in Unteresch­bach auf der Sülz­tal­bahn (Kbs 240). Die Front­seite zeigt die Aus­rüs­tung als Wen­de­zug­be­fehls­wagen mit 3-​​Licht-​​Spitzensignal (und wei­terhin hohen Signal­hal­tern) etc.

Für den Sommer 1956 liegt ein Doppel-​​Umlaufplan für die V 36.2 des Bw Wt-​​Steinbeck vor. Die zugrunde lie­gende Fahr­plan­struktur galt mit geringen Abwei­chungen ab Sommer 1955 bis Mai 1958. Zum Sommer 1958 traten dann stär­kere Ver­än­de­rungen im Betriebs­ab­lauf ein. Dazu dem­nächst mehr auf db58.

Auf­grund dieses Lauf­plans haben wir die Leis­tungen auf das Win­ter­kurs­buch 1957/​1958 übertragen:

Lauf­plan Sommer 1956

Lauf­plan Winter 1957/​1958

B = Bens­berg, Crbg = Wuppertal-​​Cronenberg, D = Wuppertal-​​Elberfeld (Döp­pers­berg), Dtz tief = Köln-​​Deutz tief, G = Ber­gisch Glad­bach (Pbf), Gn = Ber­gisch Glad­bach Stadt­mitte, Ht = Hoff­nungs­thal, Kettw = Kettwig, Kö = Köln Hbf, Kö-​​K = Köln-​​Kalk, Kö-​​Nippes = Köln-​​Nippes, Kö-​​Süd = Köln Süd, Li/​Lr = Lindlar, M = Köln-​​Mülheim, O = Overath, Ob = Ober­barmen, P = Opladen, Rs = Rös­rath, Sm = Schwelm, St = Wuppertal-​​Steinbeck, Velb = Vel­bert, Vl = Wuppertal-​​Vohwinkel, Wit = Witten (ent­hält auch Orte für den Ver­kehr Schwelm—Witten)
Die gelb hin­ter­legten Fahrten (ohne Zeit­kor­rektur) finden Sie in den anschlie­ßenden Kurs­buch­aus­zügen (Kbs 240 und 240a) wieder. Für die blau hin­ter­legten Fahrten gibt es Abwei­chungen. Bei den grün hin­ter­legten Fahrten ist die Zug­nummer in Ber­gisch Glad­bach Stadt­mitte „gebro­chen“ worden – die Gar­nitur erle­digte trotzdem die gleiche Fahr­strecke. Die rot hin­ter­legte Fahrt fand auf der Kbs 228 statt.

Zwi­schen ca. 14 und 16 Uhr befanden sich min­des­tens zwei V-​​36-​​Wendezuggarnituren in Köln. Die Ver­knüp­fung der vor­he­rigen Fahrten mit den nach­fol­genden Fahrten wird 1957 wohl anders abge­laufen sein als 1956. Der größte Unter­schied zwi­schen den beiden Fahr­plan­pe­rioden betraf jedoch die Fahrt am dritten Tag gegen 18:30 Uhr. Im Jahr 1956 ging die Fahrt von Rös­rath als N 4136 über Ber­gisch Glad­bach nach Köln-​​Mülheim – 1957 wurde die deut­lich kür­zere direkte Strecke über Köln-​​Deutz tief als N 4258 gewählt. Eben­falls geän­dert haben sich die „Einstiegs-​​ und Aus­stiegs­fahrten“ zwi­schen Wup­pertal und Köln. 1957 kommt die V 36 mit ihrer Wen­de­zug­gar­nitur schon von Wt-​​Oberbarmen (4:15) mit dem N 3800 nach Köln-​​Mülheim (5:30). Der abend­liche Aus­stieg erfolgte am dritten Tag wahr­schein­lich mit dem P 1535 (Köln Hbf ab 21:12) oder dem P 1537 (Köln Hbf ab 21:57).

Neben den Fahrten im Kölner Nah­ver­kehr über­nahmen die V 36 noch Fahrten zwi­schen Wuppertal-​​Vohwinkel und Kettwig/​Velbert, einen Nah­gü­terzug von Wt-​​Cronenberg nach Wt-​​Steinbeck und Rangier-​​ und Arbeits­zug­dienst in Leverkusen-​​Schlebusch, Wt-​​Steinbeck, Wt-​​Vohwinkel und Wt-​​Elberfeld.

Kurs­buch­strecke 240 Köln—Lindlar/Dieringhausen

Nor­ma­ler­weise lassen sich die V-​​36-​​Wendezüge gut im Kurs­buch iden­ti­fi­zieren: Sie waren als N klas­si­fi­ziert und führten angeb­lich nur die 2. Klasse. Doch die Wendezug-​​Garnituren ent­hielten auch Don­ner­büchsen mit 1. Klasse-​​Abteilen, doch nur bei der nach­mit­täg­li­chen Fahrt des N 4135 nach Lindlar wird auf die 1. Klasse auch hin­ge­wiesen. Der nächt­liche N 4151 taucht auch auf der Kbs 240 auf, weil er sonn­tags bis Lindlar durch­fährt. Wei­tere Fahrten zwi­schen Hoff­nungs­thal und Rös­rath müssen den Ein­tra­gungen bei der Kurs­buch­strecke 240a ent­nommen werden:

Kurs­buch­strecke 240 Köln—Bergisch Gladbach—Hoffnungsthal

Diese Aus­schnitte aus dem Kurs­buch ent­halten zwei kuriose Fahrten von Köln-​​Mülheim nach Rösrath:

  • N 4103: Köln-​​Mülheim über Glad­ba­cher Ver­bin­dungs­kurve nach Ber­gisch Glad­bach (Pbf), zurück zur Stadt­mitte, wieder zum Pbf und dann weiter nach Rösrath
  • N 4133: Ähnlich wie beim 4103, nur dass sich jetzt in Ber­gisch Glad­bach Stadt­mitte die Zug­nummer auf N 4143 ändert.

Fahrten von Ber­gisch Glad­bach nach Köln konnten für Fahr­gäste in Köln-​​Mülheim, Köln-​​Deutz tief, Köln-​​Kalk und Köln Hbf enden. Ob Züge auch in Köln Süd endeten, kann den Kurs­bü­chern leider nicht ent­nommen werden, ist aber wahr­schein­lich. In Köln Hbf wurden die Züge zur Abstel­lung nach Köln Süd, Köln-​​Nippes und evtl. auch nach Köln Bbf gefahren.

Stre­cken­be­le­gung

Häufig plat­zieren wir bei db58 auf den Laufplan-​​Fahrten far­bige Streck­en­seg­mente. Mit dieser Technik stoßen wir um Köln-​​Deutz herum mit den vielen kurz­stre­ckigen Fahr­möglick­eiten an gra­fi­sche Grenzen. Auch auf der Stre­cken­karte können wir nicht alle Seg­mente, auf denen Kurs­buch­fahrten(!) statt­finden, mit Zif­fern ver­sehen, des­wegen ergänzt eine tabel­len­ar­tige Zusam­men­stel­lung die Karte:

Lindlar—Hoffnungsthal: 6 ×
Overath—Hoffnungsthal: 4 ×
Hoffnungsthal—Rösrath: 14 ×
Rösrath—Köln-Kalk: 6 ×
Köln-Kalk—Köln-Deutz: 2 ×
Köln-Deutz—Köln Hbf*: 7 bis 9 ×
Rösrath—Bensberg: 16 ×
Bensberg—Bergisch Glad­bach (Pbf): 20 ×
Ber­gisch Glad­bach (Pbf)—Bergisch Glad­bach Stadt­mitte: 25 ×
Ber­gisch Glad­bach (Pbf)—Duckterath (über Ver­bin­dungs­kurve): 3 ×
Ber­gisch Glad­bach Stadtmitte—Duckterath: 33 ×
Duckterath—Köln-Mülheim: 36 ×
Köln-Mülheim—Köln-Deutz*: 5 bis 7 ×
Köln-Mülheim—Köln-Deutz tief: 15 ×
Köln-​​Deutz tief—Köln-Kalk: 4 ×
Wt-Vohwinkel—Velbert: 4 ×
Velbert—Kettwig: 2 ×
Wt-Cronenberg—Wt-Steinbeck: 1 ×

*Hier besteht Unklar­heit, wo die Züge defi­nitiv endeten.

Was bleibt bisher ungeklärt?

  • Es soll (oder muss) min­des­tens einen wei­teren (ein­tä­gigen?) Umlauf­plan für die V 36 geben, der die Pen­del­züge zwi­schen Schwelm und Witten enthält.

Was passt zu diesem Thema auf db58?

Was könnte auf db58 noch ergänzt werden?

  • Fahrten der Wup­per­taler V 36 im Som­mer­fahr­plan 1958
  • Wup­per­taler Wendezuggarnituren
  • Der Ver­kehr auf der Kurs­buch­strecke 240a und 240

Quellen

  • Köln-​​Bonner Ver­kehrs­ma­gazin Heft 16 und 17
  • Kurs­bü­cher von 1957
  • Lauf­plan 15 und 31 für V 36 vom Sommer 1956
  • Unter­lagen aus der Samm­lung Peter Jauch
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