»Einsätze der Kornwestheimer Lok der Baureihe 50

18. Dezember 2010 | Von | Kategorie: BR 50, Laufpläne, Streckenbenutzung

Der württembergischen Schwarzwaldbahn werden momentan mehrere Denkmäler gesetzt: Bucherscheinungen und viele Beiträge in Foren sowie die Diskussionen um die vollständige Wiederinbetriebnahme zeugen davon. Eine Lokomotivreihe leistete in den 50er Jahren wesentliche Dienste auf dieser Strecke: die BR 50 des Bw Kornwestheim:

50-Kornw-Pl21v29-58Wint-1111
Bm = Bietigheim (Württ.), Bö = Böblingen, Ca = Calw, H = Heilbronn Hbf, Horb = Horb, Hr = Heilbronn Rbf, Im = Immendingen, Kr = Kornwestheim Rbf, Lf = Lauffen, Ph = Pforzheim Hbf, Ro = Rottweil, Si = Sindelfingen, Stg = Stuttgart Hbf, Stg-Mün = Stg-Münster, Tu = Tuttlingen, Vg = Stg-Vaihingen, We = Weil der Stadt, Zuff = Stg-Zuffenhausen

Die db58-typische Streckensegment-Einteilung (ohne jeglichen Anspruch auf tatsächliche zeitliche Dauer) sah folgendermaßen aus und führte zu folgender kursbuchmäßiger Streckenbelegung:


Der erste Tag des Umlaufplans wurde von Calwer Personal (war Außenstelle zu Pforzheim) gefahren. Der Pendeldienst zwischen Calw und Weil der Stadt führt uns heute zur Frage: Benutzte man überwiegend eine Lok mit geschlossenem Führerhaus und Wannentender? Die Hin- und Rückfahrt 16119 nach Welsberg (Anschlusstelle Mülldeponie) wurde nur mit einer Zugnummer belegt: häufiges Indiz für eine Sperrfahrt.

Typisch für Stuttgarter/Kornwestheimer Laufpläne war, dass auch Dienstplan-Angaben mit eingebunden wurden. Am zweiten Tag (der „Fülltag“) wurde der Ng 8904 von lokfremdem Personal von Kornwestheim Rbf nach Stuttgart-Vaihingen gebracht. Im Anschluss an diesen Dienst ging es nach Stuttgart-Münster. Verschub im Heimatbahnhof, eine weitere Fahrt nach Stg-Vaihingen, eine Leerfahrt nach Böblingen mit Verschiebedienst und eine weitere Leerfahrt nach Sindelfingen, um den Ng 9147 über Renningen und Korntal zurück zu bringen, beschlossen diesen Tag.

Der dritte Tag brachte wieder Kilometer mit Fahrten nach Heilbronn, Sindelfingen (wieder über Renningen) und nach Horb (wahrscheinlich über Stg-Vaihingen.Versteckt in diese Fahrten ist ein Personalpendel von Stg-Zuffenhausen in den Kornwestheimer Rangierbahnhof: 4002 kurz vor 7 Uhr

Am vierten Tag ging die Lok in Horb wieder vor den Dg 6938, um ihn bis ins badische Immendingen zu bringen. Die Rückleistung wurde stark gestückelt: Leerfahrt bis Tuttlingen, Leervorspann von dort bis Rottweil, weitere Leerfahrt von Rottweil bis Stuttgart Hbf. Um 16 Uhr kam die Lok erstmals wieder vor einen Personenzug: nach Lauffen am Neckar. Mit weiteren Fahrten zwischen Bietigheim und Heilbronn (V=Vorspann) ging dieser kilometerintensivste Tag zu Ende.

Der fünfte Tag brachte wenige Kilometer, aber hochwertige Güterzugeinsätze: den Sg 5524 von Heilbronn nach Stuttgart (Eilgüterbahnhof?) und den Sg 5068 von dort nach Rottweil.

Der sechste Tag wurde wieder teilweise mit fremden Personal gefahren: Erst ging es nach Horb, dann fuhr die Lok leer in der Fahrplantrasse des sommerlichen E 4615 nach Pforzheim, um den Ng 8947 durchs Nagoldtal von Pforzheim nach Horb zu bringen. Mit einem weiteren Ng von Horb nach Kornwestheim wurde der sechstägige Laufplan beendet.

Anmerkung

Die Artikelserie von Stefan Motz im HiFo über die württembergische Schwarzwaldbahn gab wesentliche Anstoßpunkte zur Abklärung, welche Güterzüge der Gäubahn den Kessel von Stuttgart über Renningen umfuhren. Ebenfalls aus dem HiFo kamen von „S.B“ wichtige Angaben aus Buchfahrplänen. Beiden sei hiermit ausdrücklich gedankt.

Mit diesen Informationen müssen wir unsere bisherigen Angaben über die Fahrstrecken der anderen Kornwestheimer Dampflok überarbeiten.

Quellen

  • Laufplan 21/29 für die Baureihe 50 des Bw Kornwestheim vom Herbst 1958 (Danke CCP)
  • Kursbücher der Jahre 1957 bis 1959
  • Bildfahrplandaten (Danke S.B)

Das „Tagging“ der Züge wird noch erfolgen.

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Beim 5110 im Tag 3 könnte es sich um einen Sg aus Hamburg gehandelt haben, wie er von Olaf Ott hier erwähnt wird: http://www.drehscheibe-foren.de/foren/read.php?17,5104023 In Sachen Stuttgart-Münster stimme ich mit T. Werner überein, dass hier wohl nicht die TWS bedient wurde, sondern die damals noch zahlreich vorhandenen weiteren Anschließer. Noch in den 1980er konnten hier 290 beobachtet werden, aber mit Mora C ist dies nun alles Geschichte. Insgesamt gibt der Laufplan ein Leistungsbild wieder, wie er dann später von V 100 übernommen wurde und heute von der BR 294 gefahren wird. Allerdings sind diese nicht mehr so lange unterwegs, da… Weiterlesen »

Olaf Ott

Hallo Detlev!

Zu den Abkürzungen in Tag 4 eine kleine Erläuterung:
Lv = Leervorspann (Dg 6943), V = Vorspann (Dg 6890)

Viele Grüße!
Olaf Ott

Danke für diese Ergänzungen!

Thomas Werner

Zum Tag 2 schreiben Sie: „… im Anschluss an diesen Dienst ging es nach Stgt-Münster zum Kraftwerk (?) …“ Es ist nicht sehr wahrscheinlich, dass 1958 eine DB-Lok bis ins Kraftwerk Münster kam. Zu diesem Zeitpunkt war die Industriebahn in Münster nach meinem Wissen noch elektrifiziert, und die Betriebsführung lag bei der Industiebahn selbst. Südwestlich des eigentlichen Bhf. Stgt.-Münster gab es eine drei oder viergleisige Gleisharfe, die ich als Übergabegruppe bezeichnen würde.Dorthin konnte die 50er schon kommen. Ich weiß auch nicht, ob die 50er überhaupt für die extreme Steigung vom Bhf. Münster hinab ins Neckartal geeignet gewesen wären. Übrigens, das… Weiterlesen »