»Murnau—Oberammergau mit E 69, ET 85 und ET 90 im Jahr 1958

9. April 2011 | Von | Kategorie: Fahr- und Zugbildungspläne, Streckenführung

Das Span­nende am Recher­chie­ren ist immer wie­der: Es ent­ste­hen neue Blick­win­kel, die bis­her Geschrie­be­nes in neuem Licht erstrah­len las­sen. Bei der Lek­türe des her­vor­ra­gen­den Buches  „Die Bau­reihe E 69 – die baye­ri­schen Local­bahn-Elloks und die Stre­cke Murnau – Ober­am­mer­gau“ stie­ßen wir (oder bes­ser: wur­den wir gesto­ßen) auf die Frage: Was mach­ten eigent­lich die ET 85, als der ET 90 02 zum Herbst 1958 von Berch­tes­ga­den zur Außen­stelle Murnau des Bw Gar­misch kam? Diese Frage ist noch nicht rest­los beant­wor­tet.

Aber warum sich diese Frage stellte, das kön­nen wir hier schnell beant­wor­ten. Der im Buch abge­druckte Lauf­plan für ET 90 und E 69 vom Som­mer 1959 passt genau auch auf die Herbst-58-Leis­tun­gen, die wir hier abbil­den (grün = E 69; pink / vio­lett = ET 90 / ET 85):

Som­mer­fahr­plan 1959

 

Win­ter­fahr­plan 1958/1959

Die Trieb­wa­gen-Gar­ni­tur fuhr an allen Tagen fünf Pen­del von Ober­am­mer­gau nach Murnau – die E 69 fuhr 3 Per­so­nen­züge von Murnau nach Ober­am­mer­gau und nur 2 zurück. Am Wochen­ende stieg die Leis­tung bis auf vier Pen­del­fahr­ten. Im Buch ist dann ja auch noch der spek­ta­ku­läre Lv der E 69 vor ET 90 von Ober­am­mer­gau bis Gra­fe­n­aschau erwähnt. Der große Unter­schied zwi­schen den bei­den Fahr­plä­nen vom Som­mer 1959 und Win­ter 1958/59: Die Trieb­wa­gen­leis­tun­gen im Som­mer 1959 sind nur noch als 2. Klasse-Leis­tun­gen ange­ge­ben – die 1. Klasse ist ent­fal­len.

Abschlie­ßend der Fahr­plan vom Som­mer 1958:

Som­mer­fahr­plan 1958

Im Som­mer wur­den noch 9 Fahr­ten von Murnau nach Ober­am­mer­gau und werk­tags 8 Retou­ren (Sonn­tags: 9) durch­ge­führt.

Zusam­men­ge­fasst:

  • Som­mer 1958: werk­tags 9/8 Fahr­ten 1. und 2. Klasse
  • Win­ter 1958/59: werk­tags 8/7 Fahr­ten 1. und 2. Klasse
  • Som­mer 1959: werk­tags 5/5 Fahr­ten nur 2. Klasse und 3/2 Fahr­ten 1. und 2. Klasse

Nach Fahr­plan not­wen­dige Fahr­zeug-Gar­ni­tu­ren

  • Som­mer 1958: 2 × ET 85-Gar­ni­tu­ren (2 × B-ET 85 + B-ES 85 + AB-ET 85 ??)
  • Win­ter 1958:  1 × E 69 mit Wagen +  1 × ET 85-Gar­ni­tur (B-ET 85 + B-ES 85 + AB-ET 85 ??)
  • Som­mer 1959: 1 × E 69 mit Wagen +  1 × ET 90-Gar­ni­tur (B-ET 90 + B-ES 85)

Der Bestand an Trieb­wa­gen im frag­li­chen Zeit­raum:

Behei­ma­tung von ET 85 / ET im Bw Gar­misch

Der ET 85 101 war wahr­schein­lich schon vor Dezem­ber 1958 in Gar­misch.

Im gesam­ten Ein­zugs­be­reich von Gar­misch sind im Herbst 1958 keine wei­te­ren Fahr­ten von elek­tri­schen Trieb­wa­gen (außer den auf db58 schon bespro­che­nen Fahr­ten der öster­rei­chi­schen ET 4030) zu ent­de­cken.

Was mach­ten also im Herbst 1958 die vie­len ET 85/90 des Bw Gar­misch? Ab Som­mer 1959 tau­chen im Kurs­buch auf der Stre­cke 402 Trieb­wa­gen­fahr­ten zwi­schen Weilheim/Murnau und Gar­misch neu auf, die sehr wahr­schein­lich den ET 85 zuge­ord­net wer­den kön­nen.

Quel­len:

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Der Umbau von ET 85 auf ET 90 betraf mei­nes Wis­sens nicht nur das Getriebe, son­dern auch die Brem­sen.

Mir ist bis­her nicht bekannt gewe­sen, dass B3i-Wagen auf der Ammer­tal­bahn ein­ge­setzt wur­den. Die Rei­sen­den der 1. Klasse wer­den aber wahr­schein­lich schon ent­deckt haben, dass ihre Klasse mit einem Mal fehlte?

Zunächst liest sich der Über­gang ET85 auf ET90 wie eine bemer­kens­werte Ver­än­de­rung. Bei genauer Betrach­tung hat der Rei­sende ver­mut­lich nichts bemerkt (es sei denn den feh­len­den Mit­tel­wa­gen B3i), denn im Jahre 1949 wur­den in den ET 85 13, 14 und 16 ledig­lich das Getriebe geän­dert und in die ET 90 01–03 umbe­schrif­tet, um sie haupt­säch­lich auf der Steil­stre­cke Berchtesgaden–Königssee ein­zu­set­zen.