»Wen­de­zug­be­trieb mit V 36 der BD Wuppertal

17. August 2011 | Von | Kategorie: Baureihe V 36, Wendezüge

Die beim Bw Wup­per­tal-Stein­beck behei­ma­te­ten ehe­ma­li­gen Wehr­machts­lo­ko­mo­ti­ven V 36 wur­den schon ab 1948 im Rei­se­zug­dienst auf der Stre­cke zwi­schen Wup­per­tal-Voh­win­kel und Schwelm ver­wen­det, aller­dings noch nicht im Wen­de­zug­dienst. Als Rei­se­zug­wa­gen dien­ten damals die im Trieb­wa­gen­be­trieb noch nicht wie­der benö­tig­ten Steu­er­wa­gen VS 145 und Bei­wa­gen VB 147 – die V 36 ver­füg­ten bekann­ter­ma­ßen über kei­nen Heiz­dampf­erzeu­ger, so muss­ten Wagen mit Eigen­hei­zung ver­wen­det wer­den, wenn man ganz­jäh­rig fah­ren wollte.

Ab Som­mer­fahr­plan 1950 ver­kehrte dann erst­mals ein mit V 36 bespann­ter Wen­de­zug auf der Stre­cke von Wt.-Elberfeld nach Wt.-Cronenberg. Der im stünd­li­chen Takt­ver­kehr fah­rende Zug bestand aus einer V 36 und einem sog. Wen­de­zug­be­fehls­wa­gen VS 145, der in Rich­tung Cro­nen­berg gescho­ben wurde. Dadurch war es mög­lich, bei nur 3 Minu­ten Wen­de­zeit in Wt.-Cronenberg mit nur einer Wen­de­zug-Ein­heit stünd­lich ein für die dama­lige Zeit anspre­chen­des Nah­ver­kehrs­an­ge­bot anzubieten.

Auf­grund des hohen Fahr­gast­auf­kom­mens ver­kehr­ten die Wen­de­züge über­wie­gend als Dop­pel­ein­heit, da auf der stei­gungs­rei­chen Stre­cke der Fahr­plan bei Bespan­nung mit nur einer V 36 nicht ein­ge­hal­ten wer­den konnte. Mit Beginn des Som­mer­fahr­plans 1955 wur­den die Wen­de­züge von drei­tei­lig ver­keh­ren­den VT 95-Schie­nen­bus­sen abge­löst.*

Für die Ver­wen­dung im Wen­de­zug­dienst war es erfor­der­lich, die V 36 mit einer 8-bar-Haupt­luft­be­häl­ter­lei­tung (äußer­lich an den drei oder vier Luft­schläu­chen an der Puf­fer­bohle erkenn­bar) aus­zu­rüs­ten. Sie diente zur Druck­luft­ver­sor­gung des Füh­rer­brems­ven­tils im Wen­de­zug­be­fehls­wa­gen. Die Auf­träge zur Rege­lung der Motor­leis­tung wur­den über eine nach­träg­lich instal­lierte Klin­gel­lei­tung vom Lok­füh­rer im Wen­de­zug­be­fehls­wa­gen dem Maschi­nen­wär­ter genann­ten Bei­mann auf der V 36 über­mit­telt. Die Bedie­nung der Bremse oblag aus­schließ­lich dem Lok­füh­rer im Wendezugbefehlswagen.

Per­so­nal­be­set­zung der Wendezüge

Der Wen­de­zug­be­fehls­wa­gen galt als Steu­er­wa­gen im Sinne der BO § 63 (3). Die­ser musste als Spit­zen­fahr­zeug im Wen­de­zug­be­trieb von einem förm­lich geprüf­ten Lok­füh­rer besetzt sein. Die am Zug­schluss lau­fende Die­sel­lok war mit einem Bei­mann, der als Maschi­nen­wär­ter für die betref­fende Die­sel­lok­bau­reihe aus­ge­bil­det sein musste, besetzt.

Mit HVB-Verfg. vom 30. 1. 1954 wurde ent­schie­den, dass alle Wen­de­zug­be­fehls- und Wen­de­zug­wa­gen (die Zwi­schen­wa­gen) mit  indi­rek­ter Steue­rung mit einer 15-adri­gen Steu­er­lei­tung und „Fabeg“-Kupplungen sowie mit den ver­bes­ser­ten „Fabeg“-Steuergeräten (Befehl­ge­ber im Wen­de­zug­be­fehls­wa­gen und Befehls­emp­fän­ger auf der Lok) aus­zu­rüs­ten seien.

Die Aus­rüs­tung der Wup­per­ta­ler V-36-Wen­de­züge mit die­sen Gerä­ten unter­blieb jedoch, da man als­bald eine direkte Steue­rung der V 36 vom Wen­de­zug­be­fehls­wa­gen anstrebte, die eine Beset­zung des Füh­rer­stan­des der Loko­mo­ti­ven im Schie­be­be­trieb nicht mehr erforderte.

Nach Ein­stel­lung des V-36-Ein­sat­zes zwi­schen Wup­per­tal-Voh­win­kel und Schwelm im Herbst 1953 plante die ED Wup­per­tal nach dem Vor­bild des Wen­de­zug­be­trie­bes zwi­schen Wt.-Elberfeld und Wt.-Cronenberg einen Wen­de­zug­be­trieb auf der zur BD Wup­per­tal gehö­ren­den Stre­cke von Köln nach Ber­gisch Glad­bach ein­zu­füh­ren. Man­gels aus­rei­chen­der Anzahl von Steuer- bzw. Bei­wa­gen, muss­ten vier 2-ach­sige Per­so­nen­wa­gen, auch Platt­form­wa­gen oder „Don­ner­büch­sen“ genannt, ver­wen­det wer­den. Vor­aus­set­zung für den Ein­satz die­ser Wagen mit der V 36 war jedoch die Aus­rüs­tung mit Warm­was­ser­hei­zung (der mit Kohle gefeu­erte Heiz­ofen befand sich in einer der bei­den Toi­let­ten), außer­dem wurde eine 8-bar-Haupt­luft-Behäl­ter­lei­tung zur Ver­sor­gung der Brems­ven­tils im Füh­rer­stand des Steu­er­wa­gens nachgerüstet.

Son­der­um­bau der Die­sel­lok V 36 238

Vom 20. 1. bis 12. 8. 1955 wurde die V 36 238 (Bild Carl Bel­lin­grodt) im Bw Wt.-Steinbeck in Zusam­men­ar­beit mit dem AW Opla­den auf Ein­mann­be­die­nung mit höher geleg­tem Füh­rer­haus umge­baut sowie auf Ein­bau der Wen­de­zug­steue­rung über ein 15-adri­ges Steu­er­ka­bel und Sicher­heits­fahr­schal­tung (Sifa) vor­be­rei­tet. Vom 19. 7. bis 14. 8. 1956 wurde die elek­tro-pneu­ma­ti­sche Steue­rung ein­ge­baut und die Lok danach zusam­men mit einem Pack­wa­gen, einem Platt­form­wa­gen und dem Steu­er­wa­gen VS 145 213 als erste Wen­de­zug­ein­heit mit direk­ter Steue­rung  auf der Stre­cke  Wt.-Vohwinkel—Aprath—Wülfrath—Kettwig  eingesetzt.

Umstel­lung des Wen­de­zug­be­triebs mit V 36 auf direkte Steuerung

Hierzu schreibt die BD Wup­per­tal am 27. 12. 1956: Die ab 1. 6. 1957 geplante Ein­füh­rung der 45-Std.-Woche zwingt unter Aus­nut­zung aller Mög­lich­kei­ten, den Wen­de­zug­be­trieb im Köl­ner Raum auf ein­män­nige Beset­zung umzu­stel­len. Hierzu sind 6 Die­sel­lo­ko­mo­ti­ven V 36 des Bw Wup­per­tal-Stein­beck mit Fern­steue­rung (elek­tro-pneu­ma­tisch) und Sifa wie in der Die­sel­lok V 36 238 erprobt, aus­zu­rüs­ten. Außer­dem soll­ten die Loko­mo­ti­ven für Ein­mann­be­trieb umge­baut wer­den, d.h. die Bedie­nungs­ein­rich­tun­gen muss­ten auch auf der lin­ken Seite des Füh­rer­stan­des instal­liert wer­den. Dies waren Zusatz­brems­ven­til,  Füh­rer­brems­ven­til, Tas­ter für Sifa, Fül­lungs­hand­rad, Ton­si­gnal­ein­rich­tung und Sandstreuer.

In der Zeit von Novem­ber 1958 bis Januar 1959 sind die sechs V 36 208, 209, 210, 225, 226 und 229 und die Wen­de­zug­be­fehls­wa­gen VS 145 351 und VS 145 394 sowie die VB 147 002, 012 und 053 im Bw Wup­per­tal-Stein­beck für die direkte Steue­rung umge­baut wor­den. Den Spit­zen­wa­gen bei direk­ter Steue­rung bezeich­net man nun­mehr als Wendezugsteuerwagen!

Gemäß Schrei­ben der BD Wup­per­tal vom 2. April 1959 durf­ten die im Wen­de­zug­dienst ein­ge­setz­ten V 36 ab sofort unbe­setzt blei­ben, wenn sie vom Wen­de­zug­steu­er­wa­gen direkt gesteu­ert wurden.

Das Bww Wup­per­tal-Voh­win­kel rüs­tete die 5 zwei­ach­si­gen Per­so­nen­wa­gen Bib 84 124, 84 606, 85 280, 83 087 und 84 042 sowie die 4 ABib** 84 256, 36 398, 83 423 und 83 525  als Wen­de­zug­wa­gen*** mit 15-adri­ger Steu­er­lei­tung aus. Damit konn­ten drei Wen­de­zug-Gar­ni­tu­ren für den täg­li­chen Ein­satz in Köln, eine Reserve-Ein­heit und der Wen­de­zug nach Kett­wig gebil­det wer­den. Bemer­kens­wert ist aber, dass trotz aus­rei­chend vor­han­de­ner Wagen mit Pols­t­er­klasse (2. Klasse, ab 1956 als 1. Klasse bezeich­net) in den Fahr­plä­nen ledig­lich die 3. bzw ab 1956 die 2. Klasse ange­bo­ten wurde.

Aus­klang

Zum Som­mer­fahr­plan 1959 wurde der 3-tägige Wen­de­zug-Umlauf in Köln um einen Umlauf­tag gekürzt und mit der frei­ge­wor­de­nen Gar­ni­tur auf der Kb-Stre­cke 228c zwi­schen Schwelm und Wit­ten ein Pen­del­ver­kehr ein­ge­rich­tet. Ab Som­mer­fahr­plan 1960 ersetz­ten dann drei­tei­lige Schie­nen­busse der Bau­reihe VT 98 die V-36-Wen­de­züge, wäh­rend auf der Stre­cke von Wt-Voh­win­kel nach Kett­wig der Rei­se­ver­kehr ein­ge­stellt wurde.

Dar­auf­hin erfolgte die Abgabe der V 36 208 und 209 mit den erst 1958 zuge­wie­se­nen VS 145 013 und dem VS 145 213 nach Bre­mer­ha­ven-Lehe, wäh­rend das Bw Frank­furt-Gries­heim die V 36 210, 225, 226 und 229 mit VS 145 394, VB 147 002, 012 und 053 erhielt. Den VS 145 351 rüs­tete man für den Zusam­men­lauf für die VT 36.5 um – er ver­blieb damit beim Bw Wt.-Steinbeck. Der Ver­bleib der neun Wen­de­zug-Platt­form­wa­gen konnte noch nicht geklärt wer­den. Zu die­ser Zeit bestand bereits kein Bedarf mehr für diese ver­al­tete Bau­art, so dass sie ver­mut­lich zu Bahn­dienst­wa­gen umge­baut wurden.

Es blei­ben aber noch wei­ter­füh­rende Fragen …

*Das Kurs­buch zeigt für die Stre­cke nach Wup­per­tal-Cro­nen­berg über Jahre kei­nen Trieb­wa­gen­ver­kehr an, son­dern weist nur dar­auf­hin, dass keine Gepäck­be­för­de­rung mög­lich ist. Dem Kurs­buch kann man also nicht ent­neh­men, dass von V 36 auf VT 95 umge­stellt wurde. Es gibt Aus­sa­gen und Bil­der, dass ab Herbst 1955 der Ver­kehr mit fol­gen­der Gar­ni­tur abge­wi­ckelt wurde:

  • VT 95 + VB142 + VT 95 (mit Klein­steue­rung und nicht nur Klingelleitung)

Gibt es Unter­la­gen über den Ver­kehr mit VT 95 zwi­schen Elber­feld und Cronenberg?

** Waren die ursprüng­li­chen BC-Platt­form-Wagen im Jahr 1958 nur noch als her­un­ter­ge­stufte B-Wagen im Ein­satz oder boten sie doch teil­weise die 1. Klasse?

*** Wel­che Platt­form-Wagen waren rot, wel­che grün?

Was passt auf db58 zum Thema?

Was kann oder könnte die­ses Thema ergänzen?

  • V-36-Wen­de­zug­ver­kehr auf den ein­zel­nen Stre­cken der BD Wup­per­tal im Jahr 1958
  • Samba oder Burg­holz­bahn nach Wt-Cronenberg
  • VT 95-Ein­sätze des Bw Wt-Steinbeck

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Vie­len Dank für den Hin­weis! Von der Exis­tenz des Buches wuss­ten wir, hat­ten aller­dings bis jetzt kei­nen Zugriff darauf. 

Ein Arti­kel über den Samba ist in Vor­be­rei­tung, gerne mit Ihren Fak­ten aus Ihrem Buch!

Im beglei­ten­den Thread im HiFo wird auf Publi­ka­tio­nen im Köln-Bon­ner Ver­kehrs­ma­ga­zin hin­ge­wie­sen, bei der Peter Jauch Autor/Mitautor war.
Bei der Ver­öf­fent­li­chung hier auf db58 geht es uns vor allem darum, die Aus­wir­kun­gen von regio­na­len Eigen­hei­ten, tech­ni­scher Ent­wick­lung und dem Ein­fluss von Per­so­nen (z.B. Dezer­nen­ten bei den ver­schie­de­nen Bahn­di­rek­tio­nen) auf die Ver­kehrs­ab­wick­lung nach­voll­zieh­ba­rer zu machen – oder Modell­bah­nern Epo­chen-Infor­ma­tio­nen lie­fern zu können.

Hallo,

ich ver­weise in aller Kürze vor dem Dienst auf fol­gende Publikation:

Der Samba, Die Stich­bahn von Elber­feld nach Cronenberg,
Kurt Kaiß, Michael Peplies
Leich­lin­gen 2007
ISBN 978-3-9806103-6-0

Dort fin­den sich auf den Sei­ten 88 bis 90 sowie 95 bis 96 einige Anga­ben zu den erwähn­ten Themen.
Des­wei­te­ren sind viele Infor­ma­tio­nen die­ser Art, der bes­se­ren Lek­türe wegen (keine reine Eisen­bahn­li­te­ra­tur son­der auch für Hei­mat­freunde geschrie­ben), auch in den Bild­un­ter­schrif­ten versteckt.

In der Hoff­nung am Wochen­ende ein­mal die Unter­la­gen durch­se­hen und ein paar wei­tere Fra­gen beant­wor­ten zu können,
ver­bleibe ich mit bes­ten Grü­ßen aus dem Bergischen

Michael Peplies