»Die Reisezugwagenlage 1956/1957 – Teil 4

18. November 2015 | Von | Kategorie: kurz gemeldet

In einer kleinen Serie veröffentlichen wir Protokollausschnitte von Besprechungen der DB:



Ich darf nunmehr auf einige besondere Fragen des Reisezugwagendienstes eingehen, von denen ich annehme, dass sie in diesem Kreise interessieren.

  1. Das Verhältnis der Reisezugwagenbestände der A-Klasse zur B-Klasse entspricht nicht dem Bedarf. Bei der weiteren Beschaffung bzw. Aufarbeitung von Reisezugwagen muß deshalb darauf geachtet werden, daß ein gesundes Mischungsverhältnis zwischen A- und B-Wagen hergestellt wird. Starke Überbestände an A-Wagen sind vorhanden bei den 4ü-Schnellzugwagen der Gruppen 23 bis 39, ferner an AB4ymg-Wagen der Gruppe 52 und Ai-Wagen der Einheitsbauart. Es ist grundsätzlich nicht möglich, diese überzähligen A- und AB-Wagen mit Neubauschnellzug- bzw. Neuaufbaupersonenzugwagen zusammen zu verwenden, weil sonst die Reisenden der 1. Klasse gegenüber denen der 2. Klasse zu sehr benachteiligt würden.Die Schnellzugwagen der Gruppen 23 bis 39 sollen auch später für Saison- und Sonderzüge im Schnellzugdienst verbleiben. Bei diesen Zügen ist jedoch der Bedarf an Wagen der 1. Klasse wesentlich geringer als bei den ganzjährigen Regelzügen. Deshalb wird man etwa 200 A4ü-Wagen und 100 AB4ü-Wagen der Verwendungsgruppen 23 bis 39 als B4ü-Wagen verwenden und bei einer Vollaufarbeitung entsprechend umbauen müssen. Etwa 100 überzählige AB4ümg-Wagen (eher wohl AB4ymg oder AB4ü) werden als Partner der kommenden neuen Nahverkehrswagen zu gebrauchen sein. Wenn man alle derzeit noch vorhandenen 662 Ai-Wagen in Bi-Wagen umwandelt, dann erhält man bei den Einheitswagen der Stahlbauart ein Mischungsverhältnis A:B von 1:12,2, was vollkommen ausreichend erscheint, wenn man bedenkt, daß Wagen dieser Bauart später nur noch auf Nebenbahnen eingesetzt werden.
  1. Auch zum diesjährigen Fahrplanwechsel läßt es sich nicht vermeiden, insgesamt 700 Drehgestellwagen umzubeheimaten, davon etwa 500 über die GDW-Grenzen hinaus. Die Ursachen sind einmal darin zu suchen, daß die angelieferten Neubauwagen in bestimmte Züge eingesetzt und die dadurch freiwerdenden Wagen anderweitig verwendet werden müssen. Zum anderen hat der verstärkte Interzonenverkehr neue Zugbildungsaufgaben gebracht. Ferner bedingen Verlängerungen von Zugläufen (z. B. über Basel hinaus in die Schweiz) Verlegungen der Zugbildung (von Basel nach Norden) usw. …
  1. Der fortschreitenden Elektrifizierung unseres Streckennetzes muß sich auch der Wagendienst anpassen. Die Schnellzugwagen sind fast durchweg mit E-Heizung ausgerüstet, so dass auf diesem Sektor keine besonderen Schwierigkeiten auftreten. Dagegen müssen die neuen elektrischen Bezirke mit elektrisch heizbaren Wagen für den Bezirksverkehr ausgerüstet werden. Dies hat zur Folge, daß alle Wagen des 3yg-Programms z. Z. nur in diese Bezirke fließen und die anderen BD’en zunächst keine 3yg-Wagen bekommen können.

In kursiv die Anmerkungen/Ergänzungen der Redaktion zum Original

Zusammengefasst:

  • Überbestand an A-Wagen bei Gruppe 23 bis 39
  • Überbestand an AB4ymg-51-Wagen
  • Überbestand an Ai-29
  • Umbeheimatungswelle bei Drehgestellwagen
  • nur noch 3yge-Wagen-Herstellung – Lieferung an „elektrische“ Heimatbahnhöfe

Die anderen Beiträge zur Beilage 5

Quelle

  • Niederschrift über die „Besprechung über technischen Wagendienst und Wagenerhaltung“ vom 27. bis 29. Mai 1957 in Regensburg.

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