»Erhöhung der Geschwindigkeit für das Sachsenroß

9. Dezember 2015 | Von | Kategorie: F 15 / F 16 Sachsenroß, Fahrpläne, VT 06.1

Nach der Beseitigung der kriegs- und verschleißbedingten Mängel konnte die Deutschen Bundesbahn mit Beginn des Sommerfahrplans am 1. Juni 1958 wieder einigen Fernschnellzügen eine Höchstgeschwindigkeit von mehr als 120 km/h geben. Von diesem Tag an durften die Trans-Europ-Express- (TEE), F- und D-Züge mit 140 km/h fahren, wenn die Fahrzeuge, der Oberbau und der Vorsignalabstand auf den Strecken für diese Geschwindigkeit zugelassen waren. Als vollwertige Nutznießer dieser neuen Bestimmung wurden immer VT 11, VT 08, VT 06 und V 200 genannt – aber stimmt das so?

ZugV-max [km/h]
VT 04.0120 (160)
VT 04.1 / 5120 (160)
VT 06.1120/130 (160)
VT 07.5120
VT 08.5140
VT 10.5120 (160)
VT 11.5 + VT 11.5140
V 200 + Aüm + ARüm140

An den Vorkriegstriebwagen der Bauart VT 06 stand als Höchstgeschwindigkeit immer noch die 160 km/h der Vorkriegszeit angeschrieben – fahren durften sie diese V-max bei der DB aber nicht, denn ohne Anrechnung der Magnetschienenbremse genügten die Bremsen keinesfalls den Anforderungen. Mit der folgenden Bestimmung zur Anrechnung der Bremsleistung durfte ab Sommer 1959 immerhin mit über 120 km/h gefahren werden.

Bremse-VT-06

Dass das neue Limit wohl bei 130 km/h für den VT 06 gesetzt wurde, zeigt das Fahrschaubild für die schnellste VT 06-Leistung: das Sachsenross. Im Fahrschaubild für den Ft 16 von 1959 ist als höchste planmäßige Höchstgeschwindigkeit 120 km/h oder knapp darüber eingetragen, bei Verspätungen durfte in etlichen Abschnitten aber auch die gestrichelten 130 km/h gefahren werden.


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Der übergeklebte helle Zeitstreifen diente für neue Planungen.

Der Einsatz der VT 06 in der Sachsenroß-Gruppe führte bei den Reisenden wegen „starker Stöße und Gerüttel“ zu intensiven Beschwerden – diese Beschwerden gab es bei ihren bisherigen Einsätzen in der Rhein-Blitz-Gruppe nicht. Mögliche Ursachen:

  • Es wurde schneller gefahren.
  • Das Bw Dortmund Bbf könnte deutlich öfter als das Bw Köln Bbf bzw. Köln-Nippes die Radreifen abgedreht haben.
  • Die Federungen der empfindlichen Drehgestelle hatten einen „Knacks“ wegbekommen.
  • Der Oberbau der neubefahrenen Strecken (Hagen—Hannover) war schlechter als der Oberbau der vorher genutzen Strecken (Dortmund—Rheintal—Süddeutschland) – besonders beanstandet wurde nämlich das Gerüttel zwischen Hamm und Hagen.

Aus „gut unterrichteten Kölner Kreisen“ wurde uns mitgeteilt, dass einige Lokführer die eigentlich erlaubte Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h mit dem VT 06 nicht genutzt haben. Im August 1959 wurden die VT 06 wegen der Beschwerden aus dem Verkehr genommen und durch VT 08 ersetzt. Eine Klärung der Laufunruhe erfolgte nicht mehr.

#BahnhofWin 57 Fahrzeit
Som 58 Fahrzeit
Som 59 FahrzeitSom 59
an
Som 59
ab
1Hannover Hbf68646115:02
2Bielefeld Hbf40353616:0316:04
3Hamm (Westf)32322916:4016:41
4Hagen Hbf21201917:1017:11
5Wuppertal-Elberfeld36
____
35
____
32
____
17:3017:31
6Köln Hbf19718617718:03

Die Summe der Fahrzeiten in der Tabelle enthält nicht die Haltezeiten in den Bahnhöfen. Der Fahrplan vom Sommer 1958 kann »» hier abgerufen werden.

Mit den hier wiedergegebenen Verfügungen und Werten von 1959 erscheint es uns nicht sehr wahrscheinlich, dass schon im Jahr 1958 von VT 06 eine Geschwindigkeit über 120 km/h gefahren wurde.

Was passt auf db58 zum Thema

Quellen

  • Kursbücher Sommer 1957 bis Sommer 1959
  • Fahrschaubild für den Ft 16 vom Sommer 1959
  • Briefwechsel zwischen Stellen der DB
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